Ein Esel geht nach Bethlehem

Heute war Weihnachtsgottesdienst des Kindergartens. Vorweg ist es kein Geheimnis, das wir keiner Kirche zugehörig sind und unser Sohn somit auch nicht getauft ist. Trotz allem beantworten wir ihm all seine Fragen zur Religion und nehmen ihn diesbezüglich auch ernst. Also trugen wir uns auch zu dem jährlichen Weihnachtsgottesdienst ein.

Bisher waren wir auch jedes Jahr dabei. Jedes Jahr haben die „Wackelzahnkinder“ eine kleine Aufführung gehabt. Wackelzahnkinder sind die Vorschulkinder im Kindergarten. Da der Kindergarten seit dem U3 Umbau ziemlich abgebaut hatte, was solche Vorhaben oder Veranstaltungen betrifft, waren wir unsicher ob dieses Jahr die Wackelzahnkinder was aufführen. Unser Sohn hat auch bis gestern kein Wörtchen darüber verloren.

Erst gestern erzählte er etwas von einem Esel der nach Bethlehem ging. Mehr aber auch nicht. Umso glücklicher und vor Stolz platzender saßen wir, samt Oma, heut im Weihnachtsgottesdienst, als unser fünfjähriger hochsensibler Sohn die Hauptrolle in der Aufführung hatte. Alle Eltern sind stolz auf ihre Kinder bei sowas, aber das er sich das traute war einfach nicht nur mutig, sondern auch für ihn ein persönlicher weiterer großer Schritt in seiner Entwicklung. Weiterhin erzählte die Erzieherin, das er ganz alleine sofort nach dieser Rolle im Spiel fragte, auch sie waren erstaunt und stolz.

Es war nicht das gewohnte bekannte Krippenspiel was die Kinder aufführten. Es war sehr berührend und machte nachdenklich.

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Nach der Aufführung der Kinder, beschriften alle Anwesenden mit Ihrem Namen kleine Fußzettel. Diese legten die Kinder auf den symbolischen Weg nach Bethlehem auf den Boden.

Eine Weihnachtsgeschichte von Gerda Marie Scheidl

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Ein Esel geht nach Bethlehem (das etwas andere Krippenspiel)

Vor langer Zeit, als über dem Stall von Bethlehem ein heller Stern stand – ist ein Kind geboren in einem ärmlichen Stall. Es soll der neue König sein.

Ein König in einer Krippe aus Heu und Stroh? Das konnten die Leute gar nicht glauben und schüttelten die Köpfe.

Doch ein jeder, der an den König glaubte, machte sich auf den Weg nach Bethlehem. Auch ein kleiner Esel wollte gehen. Aber sein Herr sagte: „Das ist doch Unsinn. Ein König wird in einem Palast geboren und nicht in einem Stall.“ Und er verbot dem Esel, nach Bethlehem zu gehen.

Doch der Esel wollte unbedingt den neugeborenen König sehen und so blieb ihm nichts anderes übrig, als sich unbemerkt auf den Weg zu machen.

Es war tiefe Nacht, als der kleine Esel fortging. Er fürchtete sich in der Dunkelheit ein wenig und wäre am liebsten gleich wieder umgekehrt. Doch er wollte ja unbedingt den neuen König begrüßen. Gewiss wird dieser mich anlächeln, dachte der kleine Esel. Und bei diesem Gedanken verflog seine Angst und er ging mutig weiter.

Der kleine Esel ging weiter. Schritt für Schritt nach Bethlehem. Steile Hügel musste er überwinden und die Wege waren steinig. Doch der Esel dachte nur an das neugeborene Kind. An den König, den er begrüße wollte. Unterwegs begegnete er vielen Tieren.

„Wohin gehst du, kleiner Esel?“ frage ihn ein Kamel. „Nach Bethlehem. Ein neuer König soll da geboren sein. Ich will ihn begrüßen. Darüber wird er sich freuen und mich anlächeln.“

„Was bildest du dir ein, du Esel! Der König wird dich niemals anlächeln. Davonjagen wird er dich, weil du ein einfältiges Tier bist“, sprach das Kamel und stampfte weiter

Traurig blickte der kleine Esel dem Kamel nach. Was sollte er tun? Sollte er weitergehen? Oder lieber umkehren?

Engel in goldenen Gewändern waren den Hirten auf dem Felde erschienen. So wurde erzählt. Sie hatten von dem neuen König gesungen und von Frieden auf Erden. „Ein König, welcher Engel vorausschickt, damit sie sein Kommen ankündigen und Frieden auf Erden verheißen, der wird mich nicht fortjagen“, sagte der kleine Esel bei sich. Und zuversichtlich trottete er weiter, Schritt für Schritt nach Bethlehem.

Auf einer Anhöhe stand ein Löwe. Geringschätzig musterte er den Esel, der einen König begrüßen wollte. Er sprach: „Nur mich wird der neue König anschauen, bin ich doch ein gewaltiges Tier, du aber bist ein Nichts“ Der Löwe schüttelte seine prächtige Mähne und sprang davon. Verschüchtert blieb der kleine Esel stehen.

Dann trat ihm auch noch ein Hyäne in den Weg. „Du törichter Esel“ grinste sie. „Du bist gerade gut genug, Lasten zu tragen, aber nicht würdig, deinen Rücken vor einem König zu beugen. Geh zurück woher du gekommen bist“, sagte die Hyäne und machte sich davon.

Zurückgehen sollte er? Nein, das wollte er nicht, Was wussten denn all diese Tiere von seinem brennenden Wunsch, den König in der Krippe zu sehen? Und was konnte er dafür, dass er ein Esel war.

Immer wieder kamen Tiere vorbei, die ihn auslachten. Abweisend funkelte ein Wüstenfuchs den kleinen Esel an. Ein Wolf musterte ihn verächtlich. Selbst die Schafe machen sich über ihn lustig. Und ein Widder zeigte ihm unfreundlich den Rücken.

Da begann der Esel sich seiner Eselhaut zu schämen und wagte kaum noch die Augen zu heben.

So geschah es, dass er vom Weg abkam und sich in der Dunkelheit verirrte. Der kleine Esel ließ mutlos den Kopf hängen. Wie finster war es. Nirgends ein Licht, welches Trost spendete. Oder täuschte er sich? Löste sich die Dunkelheit nicht auf in einem goldenen Dunst?

Die Engel, die in goldenen Gewändern zu ihm herabgestiegen waren konnte der kleine Esel nicht erkennen. Aber er spürte ihre Nähe. Vertrauensvoll folgte er ihnen Schritt für Schritt nach Bethlehem. Der kleine Esel achtete nicht mehr auf die anderen Tiere, die ihm begegneten. Er hörte ihnen auch nicht mehr zu. Er sah nur noch ein Licht, welches sich ausbreitete und immer heller wurde. Da erblickte er den Stern von Bethlehem.

Freudig betrat der kleine Esel den ärmlichen Stall. Darin lag ein Kind auf Heu und auf Stroh, so wie es gesagt worden war. Leise begrüßte der kleine Esel den neugeborenen König. Und als das Kind ihn freundlich anlächelte, da wusste der kleine Esel, dass der neue König jedem seine Liebe schenkt – mag er noch so klein sein

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Allen noch eine besinnliche Weihnachtszeit

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