#NoMobbing

„Mobbing“ ein Thema mit dem ich leider auch schon in meiner Kindheit in Berührung kam. Hiermit nehme ich auch an der Blogparade von gluckeundso und essentialunfairness teil. Obwohl ich auch, wie manch andere Blogger, sehr lange darüber nachgedacht habe, überhaupt was zu schreiben. Ich bin der Meinung es ist ein ziemlich bedeutendes Thema und leider ein Thema was ständig aktuell ist.

Die Realschulzeit

Es gab in meiner Klasse diesen Jungen, der von fast allen anderen Jungen gemobbt wurde. Entweder durch Beleidigungen, Handgreiflichkeiten oder das man ihn vollständig ignorierte. Wir Mädels gingen trauriger Weise nicht dazwischen. Das ging gefühlt ein halbes Jahr so. Der Junge wehrte sich nicht. Ich weiß noch wie leid er mir tat.

Glücklicherweise, auch wenn schon ein halbes Jahr in Land gezogen war, hatten wir einen äußerst, aus heutiger Sicht, guten und fairen Klassenlehrer. Er stellte die ganze Klasse mit dem Thema „Mobbing“ bloss. Er machte uns quasi „lang“ wie man so schön sagt. Er machte daraus ein Wochenthema mit Referaten. Jeder schrieb etwas dazu. Letztendlich entschuldigte sich Alle in der Klasse bei diesen Jungen. Aber ich denke das es ihm seelisch sehr zu schaffen gemacht hat und ihn verändert hat.

Zwei Jahre später hatten manche in der Klasse aber anscheinend nichts daraus gelernt. Wir waren eine vierer Mädelsclique, wo ein Mädel alle paar Monate richtig gemobbt wurde, von den andern zwei. Ich stellte mich zwar immer auf Ihre Seite und ich persönlich wurde deswegen auch nicht gemobbt, aber sie litt sehr stark darunter. Die anderen redeten dann nie ein Wort mit ihr. Warum wir uns nicht von den anderen zwei Mädels trennten, kann ich gar nicht sagen. Ich denke uns fehlte auch das Selbstvertrauen, so trotten wir immer hinter ihnen her.

Mein Berufsleben

Alles war gut, bis zu dem Moment als ich meine Schwangerschaft bekannt gab. In einem kleinen Betrieb sollte das keine Probleme geben, wir kennen uns doch. Ich weiß nicht ob es meinen Kollegen überhaupt bewusst war, was sie gemacht hatten. Gesagt hatte ich es nach der Elternzeit, aber ich wurde nur mit großen Augen angeschaut und Gott sei Dank behandeln sie mich weitgehendst normal.

Ich war so glücklich endlich schwanger zu sein und wollte auch bis zum Ende für die Firma da sein und bin auch immer brav arbeiten gegangen. Stellte auch gleich, leider schriftlich, klar, das ich nur ein Jahr Elternzeit nehme und auf den Rest verzichte. Ich war auch mal krank während der Schwangerschaft, aber sollte ich jetzt auch noch krank zur Arbeit kommen?

Die Gründe warum man auf mich sauer war, mich ignoriert hat und hinter meinem Rücken gelästert hat, hab ich nie verstanden.

Ein bis heut gewichtiger Grund ist, das ich nicht mehr zur Weihnachtsfeier wollte. Ein kleiner Raum, betriebsintern, 2 kleine „meist geschlossene“ Kellerfenster und fast alle starke Raucher! Ich war gar nicht sauer das ich nicht dran teilnehmen wollte/konnte, aber warum waren die anderen dann sauer? Bis heute bin ich nicht mehr zur Weihnachtsfeier gegangen, bis heute stosse ich auf Unverständnis. Ich bin zwar heute nicht mehr schwanger, aber ich möchte nicht mehr stundenlang in stickiger Raucherluft meine Zeit verbringen, um dann zugequalmt zu Hause mein Kind und Mann zu begrüßen. Zumal ich diese Raucherluft auch nicht mal körperlich ertrage. Starke Kopfschmerzen, Atemnot, Übelkeit.

Ich hatte damals einen lieben Kollegen, leider ist er heute in Rente, der Verständnis für viele Sachen bei mir zeigte. Ich ging auch während der Schwangerschaft ungern in den Betrieb Aufträge wegbringen, das erledigte er gerne für mich. Nicht extra für mich, sondern wenn er ohnehin ständig rüber ging. Falls ein Auftrag dringend war bin ich ja auch selber gegangen. Aber im Betrieb war es laut, ein schwerer Geruch von Öle und Fette hing in der Luft und auch dort wurde überall geraucht. Man legte mir nahe, ich sollte doch meine Sachen zu 100 prozent selber erledigen.

Desweiteren bekam ich das Gerede hinter dem Rücken mit, Druck wurde aufgebaut und wenn ich dann mal krank geschrieben war, was nur im Notfall war, war der darauffolgende Arbeitsbeginn eine Katastrophe.

Jeden zweiten bis dritten Tag verließ ich weinend die Firma. Es baute sich ein ungemeiner Stress auf. Zwei Wochen vor dem gesetzlichen Mutterschutz konnte ich nicht mehr und wurde krank geschrieben. Unser Sohn kam 5 Wochen zu früh auf die Welt, wobei ich auch diesen Stress des Mobbings eine Mitschuld gebe.

Für die KiTaeingewöhnungsstunden nahm ich mir Urlaub, weil ich dachte das würden die anderen besser verstehen. Schließlich hatte ich ein durch und durch „Mamakind“ ein „high need Kind“ und er war ja auch erst 2 Jahre alt. Ständig hörte ich das Geläster hinter meinem Rücken und hätte ein Kollege seinen Urlaub nicht verschoben, hätte ich meinen Arbeitsplatz verloren, wegen 2-3 Std Urlaub täglich für die KiTaeingewöhnung am Nachmittag – wo ohnehin wenig Arbeit im Büro war.

Jetzt läuft alles halbwegs ohne Mobbing ab. Außer ich bin selber krank oder ich bleib zu Hause, weil mein Kind krank ist und ich keine andere Betreuung gefunden habe. Aber selbst dann verfallen sie immer noch in alte Muster und die Tage nach Arbeitsbeginn sind verkrampft

Unser Kind

Nach der Kitaeingewöhnung, kam die nächste Katastrophe. Unser Kind wurde die ersten Monate von der Gruppe gemobbt, soweit man das schon bei 2 und 3 Jährigen sagen kann. Ausgeschlossen, geschubst. Manche Erzieher reagierten verständnisvoll und halfen ihm ein bißchen, andere ignorierten die Situation. Er war am weinen und wir auch. Jetzt sind alle Freunde geworden, aber es war eine sehr harte Zeit, die uns alle sehr belastet hat!

Die Zukunft

Bald steht die Grundschulzeit an, nächstes Jahr Sommer 2017. Es gibt Tage da befällt mich Angst und Panik in Bezug auf´s Mobbing. Was wenn unser Sohn gemobbt wird? Er ist ein ruhiger Junge. Hochsensibel. Mobbing würde ihn fertig machen, seelisch brechen. Er geht jede Woche zum Kids Wing Tsun in der Hoffnung sein Selbstbewusstsein wird gestärkt und er könnte sich wehren.

Aber in was für eine Welt leben wir eigentlich? Was ist das für eine Gesellschaft ?

 

 

 

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4 Gedanken zu “#NoMobbing

  1. Zeilenende schreibt:

    Ein Like für deine Offenheit. Ansonsten vielleicht nur ein paar Worte: Du hast es überlebt. Dein Kind ist ein wenig wie du. Du weißt nie, was die Zukunft bringt. Aber selbst wenn sie Zitronen bringt, hat er mit ein wenig Glück ein Limonadenrezept in der Hand.

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  2. lareine schreibt:

    Unsere Nummer 2 ist auch ein hochsensibles Kind – in der tat trifft Mobbing ja leider oft die Sensiblen und eher Nachdenklichen, denn die anderen würden sich meist impulsiv wehren, statt lange nachzudenken – und nachzufühlen.

    Eine selbstverteidigende Sportart ist eine sehr, sehr gute Idee. Ein Kind, das sich verteidigen kann, hat eine andere Ausstrahlung und dies nehmen mögliche Mobber wahr. Sie suchen sich dann oft ein anderes Opfer.

    Die Frage danach, in welcher Gesellschaft wir leben ist leider angebracht. Ich denke, Menschen folgen zu oft ihren Urinstinkten, zu diesen gehört Mobbing nun mal leider: Unbekanntes oder Irritierendes/Auffälliges soll aus der Gruppe entfernt werden – dies gehört zu den menschlich-animalischen Schutzsystemen des sozialen Lebens.

    Leider verhalten sich viele Menschen auf diese Weise „tierhaft“ ohne zu wissen und zu bemerken. Es fehlt überall an Empathie. Wer sein gegenüber versteht und sich hineinversetzt, der quält es nicht. Diese Eigenschaft sollte dringend bereits prioritär in Kindergärten und Grundschulen geschult werden, finde ich.

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    • Impressions of Life schreibt:

      Vielen Dank für deinen Kommentar. Es tut immer wieder gut zu lesen, in Kommentaren oder auf dieser Blogparade, das viele so denken, es erleben. Ich hoffe das die Gesellschaft dringend mehr in KiTas und Grundschulen aufklärt. Im Allgemeinen hoffe ich noch irgendwo, das mehr Empathie Einzug in unsere Gesellschaft erhält. Grade wo immer mehr Kinder aufwachsen die Hochsensibel oder high need sind. Liebe Grüsse

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