Zuhören

Wir alle leben in einer schnellen, fortschreitenden Gesellschaft. Eine Welt wo Tage, Wochen, Monate an uns vorbei rasen. In Windeseile verlieren wir an Lebenszeit. Wir hetzen von Termin zu Termin, arbeiten, treffen Freunde, kümmern uns um unsere Familien, reden, lachen, weinen.

Irgendwann kommt der Zeitpunkt, wo wir innehalten (der eine mehr, der andere weniger, viele überhaupt nicht) und fragen uns was gestern oder letze Woche war, wie es der eine bestimmten Person geht, was der Arzt gesagt hatte – ob wir ihn verstanden haben? Was der Kollege/in uns erzählte oder die Nachbarn. Wenn wir es nicht mehr wissen, schieben wir es einfach auf unser Gedächtnis – wir werden ja alle älter.

Sind wir das? Älter? Ist unser Gedächtnis schuld? Oder hören wir nicht mehr zu? Und wenn ja, warum erwarten wir das dann von anderen, von Freunden, Kindern, dem Partner?

Eine Erkenntnis die traurig und schlimm ist und bei den meisten Menschen an der Tagesordnung. Ich selber bemerke, wie bei einigen Menschen in meinem Umfeld, der Blick abdriften, sie nicht mehr zuhören, wenn ich was erzähle. Ich höre dann auf und wenn keine Gegenreaktion erfolgt, fühle ich mich in meiner Ansicht bestärkt. Ich höre auf diesen Menschen, beim vermehrten vorkommen, was zu erzählen. Warum den auch, aber bin ich genau so? So will ich nicht sein. Ich möchte diejenige sein, der man gerne was erzählt, wo man das Gefühl hat das ich zuhöre.

Wenn ich ehrlich bin hab ich öfters schon zu Hause gehört, das ich nicht mehr zuhöre. „Oh nein“ denke ich bei jedem mal. Es ist wie ein Stich ins Herz. Was läuft schief, ich hör doch zu! Jein, meist hören wir zu und blicken unserem Gesprächspartner nicht mal an, weil wir das Smartphone in der Hand haben, den Haushalt gerade rocken oder sonst was nebenbei tun. Haben wir den wirklich keine Zeit unser handeln zu unterbrechen um richtig aufmerksam zuzuhören?

Es gibt immer wieder Reibereien zwischen dem Sohnemann und uns. Einen Großteil dieser Reibereien mach ich auch hier für das im Vorfeld nicht richtig zuhören verantwortlich. Eigentlich sagt er immer was er möchte oder was sein Bedürfnis ist, halt auf seine kindliche Art und im Rahmen seiner Möglichkeiten. Und trotzdem entgeht uns leider oft was. Sei es der schreiende Widerstand  unter der Dusche, bis ich eines Tages bemerkte das er ja mir zu verstehen geben wollte, er möchte das alleine machen. Ich hab das Bedürfnis in Ruhe am PC oder Tablet zu sitzen und zu lesen, hab ich oft gesagt, man hat mir zugehört. Unser Sohn hat dieses Bedürfnis auch, in seiner Art sagt er: „er möchte keine Worte hören“. Da es situationsbedingt öfters nicht geht (im Auto  oder Wohnzimmer) wird er natürlich lauter, was dann zum Missmut von Mama/Papa führt. Im Grunde möchte er, wie Mama, seine Ruhe. Bezogen auf Freizeit am Wochenende / Urlaub. Unser Sohn spielt nicht gern allein bzw. beschäftigt sich selten allein, aber manchmal muss der Haushalt auch gerockt werden. Und manchmal ist die Situation auch ganz anders. Er wird quengelig und lauter. Wenn ich ihm einfach sage er soll im Haushalt helfen, blüht er auf. Grade jetzt beim Schreiben fällt mir auf, dass er dieses öfters sagt „er möchte mir helfen“. Das selbe gilt fürs einkaufen. Also ich muss genau zuhören wann mein Sohn mir helfen möchte und verhindere sehr wahrscheinlich den ein oder anderen Streit der entsteht wenn das Quengeln & Co. voran geht.

Zuhören ist so wichtig, auch gab es bei uns in der ehelichen Beziehung den einen oder anderen kleinen Streit, der durch nicht zuhören entstand. Es tut mir wirklich sehr leid und stimmt mich traurig. Wenn wir jetzt nicht zuhören, grad unseren Liebsten, dann werden Sie uns nichts mehr erzählen. Eine Träne wird zum Opfer dieses Textes.

Ich werde gespannter, aufmerksamer zuhören, so oft es geht. Ich möchte das man mir zuhört und aber auch mir vieles erzählt. Den wohin kommen wir wenn wir uns nicht mehr zuhören, was bleibt dann noch ? Ein nebeneinanderher leben?

 

 

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2 Gedanken zu “Zuhören

  1. laechelnmitueberbreite schreibt:

    Schöner Text und mahnt mich… Momentan bin ich so oft mit unserem Baby beschäftigt, um ihn in seiner Kommunikationsmethode richtig zu verstehen und wahrzunehmen, dass das „zuhören“ meinem Partner gegenüber weniger gelingt… Das stimmt mich traurig. Ist beides händelbar?

    Gefällt 1 Person

    • Impressions of Life schreibt:

      Es ist beides händelbar, selbst wenn noch eine Person dazu kommen würde oder mehr. Es kommt von Dir im Innern. Versuch mal jedes Mal, wenn Dich dein Partner anspricht in anzusehen, unterbrich die Tätigkeit mit deinem Kind oder was du auch immer machst. Irgendwann (Ausnahmen gibt es immer) geht es Dir ins Blut über. Es ist wichtig zu zuhören. So wichtig !!!! Du willst ja auch das man Dir zu hört. Du schaffst das

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