Ergotherapie 10/10 + der (Zwischen-) Bericht

Nun hatten wir den letzten Ergotherapietermin vom Rezept. Wie die letzen Male immer, fuhren wir ohne große Fragen hin, wir erzählten eher uns gegenseitig vom Tag. Er fragt nicht mehr, er kooperiert. Er weiß wir müssen da hin und das war es auch.

Viel zu früh waren wir da, aber da noch Osterferien waren und ein Termin abgesprungen war, konnte das Wunschkind 15 Minuten früher zur Therapiestunde.

Bevor er von der Therapeutin abgeholt worden ist, bat ich schon mal um den Bericht. Ich war halt neugierig, wer kann es mir verübeln. Ich bekam ihn und die beiden verschwanden in einen anderen Raum.

Sie malten zusammen und gingen dann in die Turnhalle zum Springen und Ball spielen. Das Wunschkind kam dann zufrieden nach 45 Minuten zu mir und verschwand dann sofort Richtung Auto, wo Papa saß.

Ich unterschrieb noch und wir verabschiedeten uns bis nächste Woche. Die Termine für Donnerstag sind für uns geloggt, weil wir nur da können und ich nächste Woche ein neues Rezept bekomme – wie schon erwähnt – ich bin bereit die Zeit dafür bis zur Grundschulzeit zu nehmen.

Der Bericht

Ich war neugierig, weil sich alles immer positiv von der Therapeutin anhört. Ich hatte damals einen dreiseitigen Bericht der Kita gelesen, einen fünfseitigen Bericht des SPZ (sozialpädagogisches Zentrum) und jetzt hielt ich einen Einseitigen in der Hand.

Der Bericht war wie ich bereits geahnt. Es hatte sich nichts verändert in dem Bericht. Quasi eine Zusammenfassung. Ich grinste einerseits und andererseits sah ich die verlorene Lebenszeit von Hin- und Rückfahrt + die 45 Minuten.

Ich will auch nicht sagen es hat sich nichts geändert. Klar hat das Wunschkind sich weiter entwickelt, macht Fortschritte und wir sind stolz was er macht, wie er es macht. Wir lieben ihn so wie er ist! Aber all das wäre auch ohne Ergotherapie gekommen ?! Wer weiß das schon oder doch? 

Ich mache trotzdem weiter weil: a) die Kinderarzt meint es besteht eine geringe Chance das es was bringt bis zum Sommer, bezüglich der Erleichterung im Schulalltag b) mein Kind kooperiert ja und es macht ihm irgendwo Spass c) uns kann keiner was vorwerfen, dass wir es nicht versucht haben.

Wie in der Ergotherapie und auch immer zu Hause – spielerisch in unserem Alltag – wird die Fein- und Graphomotrik  geübt incl. die Stifthaltung. Konzentration und sportliche Bewegung natürlich wie eh und je auch.

Wir sind gespannt!

Neben bei lese ich grad ein Buch wie Empathie Kinder stark macht von Jesper Juul und Peter Hoeg. Ein Textpassage fiel mir vor ein paar Tagen ins Auge:

(…) In keiner anderen Zivilisation gibt es seit 500 Jahren ein so großes – und begründetes – Vertrauen in die menschliche Fähigkeit, durch Training und Üben seine Lebensumstände verändern zu können. Ein Umstand, der dazu führt, dass heutzutage die Kinder schon in den Grundschulklassen in einer Weise und auf verschiedenartigen Wegen mental gesteuert werden, wie es noch nie zuvor getan wurde. Mit Betreten des Kindergartens werden sie mit Sprachförderung und entsprechenden Fragebögen konfrontiert, sollen anfangen, mit Zahlen umzugehen, oder lernen, wie das eine oder andere in unserer Gesellschaft funktioniert. Sie sollen anfangen logisch zu denken, der Umgang mit der Uhrzeit und das Sichzurechtfinden im Straßenverkehr stehen auf dem Programm, und daneben sollen sie eine ganze Reihe wertvoller und notwendiger Erfahrungen sammeln, die sie im Laufe der Zeit sicher in das Erwachsenenleben führt. Was sie allerdings nicht lernen, ist eine ebenbürtige und tief greifende Kenntnis darüber, wie man einen anderen Menschen versteht. Was es bedeutet auch wechselnde, also nuancierte Herzensgefühle zu haben. Wie sich empathische Gefühle von den Gefühlen unterscheiden, die mit Abgrenzung und Selbstbehauptung zu tun haben. Wie Körpergefühl, Konzentrationsvermögen, Anwesenheit und Nähe und Freundlichkeit miteinander zusammenhängen.

Der Grund hierfür ist einfach und belegbar. Wir versuchen unseren Kindern so früh wie möglich alles beizubringen. Unsere Gesellschaft setzt dies voraus, damit sie funktionierende Erwachsene werden. Aber leider hat unsere Gesellschaft keine Bücher darüber das Empathie und Wissen miteinander verbunden sind. Sie sind eng miteinander verbunden, sie brauchen sich gegenseitig.

Wir prügeln nur Wissen und Fähigkeiten in unsere Kinder, damit die funktionieren und schneller am Ziel sind, nämlich der Elite und der Leistungsgesellschaft zu dienen!

Die Terminvereinbarung – der erste Schritt zur „Hilfe“ annehmen ? Teil1

Ergotherapie – das erste Treffen 1/10

Ergotherapie 2/10

Ergotherapie 03/10

Ergotherapie 4/10

Ergotherapie 5/10 & der runde Tisch

Ergotherapie 6/10

Ergotherapie 7/10 & Zwischen Lust und Frust

Ergotherapie 8/10 und 9/10

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10 Gedanken zu “Ergotherapie 10/10 + der (Zwischen-) Bericht

  1. Reiner schreibt:

    Für meinen Teil – war und bin ich stets bestrebt, meinem Sohn via vorleben zu vermitteln, sich in dieser sich permanent verändernden Welt zurecht zu finden, seinen Platz zu finden und zu lernen, für sich zu sorgen. Materiell und menschlich. Von dienen war dabei nie die Rede 😉
    L.G.

    Gefällt 3 Personen

      • Reiner schreibt:

        Ich reagiere in letzter Zeit ausgesprochen allergisch, wenn der Duktus von den so genannten „neuen rechten“ verwendet wird. Wenn uns also eingeredet werden soll, es ginge gegen die „Eliten“, politisch und wirtschaftlich, die uns nach Strich und Faden ausbeuten. Was nicht ausschließt, dass es Gesetze im Arbeit- und Sozialrecht gibt, die dringend geändert werden müssen.

        Es ist die Verschleierung, die diese Menschen betreiben, die mich wütend macht. Sie nähren ausschließlich Unzufriedenheit und bereiten den Boden für neue, rechte Nationalstaaten, siehe Polen, Ungarn und Amerika.

        Kaum einer versteht, was im vollen Gange ist.
        Nimm`s bitte nicht persönlich.

        L.G. auch Dir.

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  2. Ilaina schreibt:

    Und wehe, die Kinder lernen etwas in der „falschen“ Reihenfolge oder „zu früh“ oder „zu spät“. Ich finde schlimm, dass sich Krippen und Kindergärten als Bildungseinrichtungen definieren und nicht als das, was sie sein sollen: Betreuung durch liebevolle Personen, wenn die Eltern es zeitlich nicht können (z.B. wg Arbeit).
    Zur Ergotherapie: Möglich, dass die Ergo ein paar positive Impulse setzt. So lange Dein Kind gern geht und es zumindest keine negativen Auswirkungen hat (vom Zeitfaktor mal abgesehen), warum nicht. Sehr schade finde ich immer dieses Gefühl „damit einem keiner etwas vorwerfen kann“. Das passt so wunderbar zu Deinem Zitat. Man steckt als Eltern verdammt in der Klemme.

    Gefällt 2 Personen

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