Bielefelder Screening -Erfahrungsbericht

Vor ein paar Monaten erreichte uns ein Zettel aus der Kita zum Thema Bielefelder Screening. Ganz am Schluss wurde um eine Unterschrift gebeten, damit unser Kind mitmachen konnte. Ehrlich gesagt ignorierte ich den Zettel erstmal.

Nach mehrmaligen, dreisten und nervigen, Aufforderungen seitens der Kita, unterschrieben wir den Zettel und gaben ihn ab.  Als hochsensible Mutter eines gleichfühlenden Kindes, wusste ich schon, wie diese Geschichte ausgehen wird.

Aber Vorweg die Themenbeschreibung:

Das Bielefelder Screening ist ein Verfahren, das im Vorschulalter angewendet wird. Ca. 6 Monate vor dem Schuleintritt. Man möchte herausfinden, ob bei den Kindern eine Lese-oder/und Rechtschreibschwäche vorhanden ist. Wenn aus diesem Test negativ Punkte sich herauskristallisieren, wird mit Spielen die Defizite versucht zu korrigieren.

Der Test wird durch „geschultes“ Personal (Fortbildung) in der Kita durchgeführt. Nicht jede Kita nimmt dran teil, außer die Erzieher machen diese Fortbildung.

Getestet wird die Ausprägung von phonologischer Bewusstheit (Wahrnehmung der gesprochenen Sprache), phonetischen Rekodierung (klangliche Aufrechterhaltung  der Information des Kurzzeitgedächtnis), das Gedächtnis und seine visuelle Aufmerksamkeit.

Es handelt sich hierbei um einen Minimalstandard, die Testergebnisse werden den Eltern nicht ausgehändigt, werden aber 10 Jahre aufgehoben und können für Schulen einsehbar sein.

Eine Wiederholung des Tests ist nicht möglich, auch wenn das Kind an diesem Tag krank war oder einfach „schlecht“ drauf war, was bei 5 oder 6 Jährigen häufig der Fall ist. Die Testergebnisse sind unwiderruflich niedergeschrieben!

Soweit nun zu uns:

Natürlich war ich nicht begeistert, das ich quasi wieder gezwungen werde, einen Test meines Kindes zu machen. Wenn man bedenkt das wieder was schriftlich niedergelegt ist, das jedes Kind anders ist, das die Laune des Kindes bei dieser Prüfung eine Rolle spielt und das es sich um eine absolvierte Fortbildung der Erzieher handelt.

Desweiteren waren die Kinder noch nie so jung wie heute zum Schuleintritt. Zwischen den 5-6 Lebensjahr werden die Kinder in der Regel eingeschult. In diesem Alter hatte ich persönlich mit meinen Freunden kein Interesse am Lesen oder Schreiben und wir sollen, diese viel jüngeren Kinder, solche Test unterziehen? Ich persönlich hatte damals nur Barbies im Kopf und mir war egal welche Wörter sich reimten, gleich klangen und Rätselaufgaben oder Gedächtnisaufgaben waren mir ziemlich schnuppe.

Und weiter wird, soweit hier in NRW, die ersten zwei Schuljahre nicht auf Rechtsschreibung geachtet. Die Kinder können, wie sie wollen und dürfen wie sie wollen, schreiben. Es wird jeder Rechtschreibfehler im Wort „bejubelt und gelobt“.

Auf welches Ziel arbeiten wir bitte hin? Klar sollen Kinder einen schönen Schulstart haben und Spass daran bekommen. Aber wie wirken solche Test auf Kinder aus, die negativ abschneiden und jetzt täglich Übungen machen sollen. Es sind Kinder, warum lassen sie wir nicht einfach Kinder sein, warum beginnt der Leistungsdruck schon im Kindergarten, wo die Welt eigentlich noch in Ordnung sein sollte?!

Unser Resultat war absehbar: negativ Punkte. Ich ersparte mir jeglichen Kommentar zum Screening gegen über der Erzieherin. Ich wusste was mein Sohn kann, wenn er wollte. Ich willigte zu den Lernspielen, wohlgemerkt angeblich täglich, ein und verwies nur darauf, das unser Kind ja nicht dazu gezwungen bzw bedrängt werden sollte.

Fazit:

Natürlich hört sich das Bielefelder Screening toll an. Es klingt nach, da wir Kindern helfen wollen, einen perfekter Start in der Schule zu ermöglichen. Aber nur 6 Wochen vor Schulbeginn wird 10 min täglich gefördert? Der Test wird von Personen mit einer Fortbildung durchgeführt. Warum können wir nicht einfach Kitas erschaffen, wo von Anfang an gefördert wird, wo Kinder und Eltern nicht durch irgendwelche Test verunsichert werden?

Noch dazu sollte man erwähnen woher eine Lese- und Rechtschreibschwäche kommt. In den meisten Fällen ist es eine genetische Disposition. Der Umweltfaktor spielt auch eine Rolle. Förderung durch Vorlesen. Früher gab es zur meiner Zeit tägliche Vorlesestunden in der Kita. Ich kenne jetzt keine Kita wo überhaupt, außer zu Weihnachtszeit oder Osterzeit, oft vorgelesen wird.

Das waren meine persönlichen eigenen Erfahrungen zum Bielefelder Screening. Ich respektiere selbstverständlich andere Meinungen hierzu und würde keine Eltern, die darauf setzten, verurteilen!

 

 

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4 Gedanken zu “Bielefelder Screening -Erfahrungsbericht

  1. xypsilonzett schreibt:

    Ja, das scheint zu stimmen. Bei meiner Tochter in der KiTa wird wohl häufig vorgelesen und die Kinder finden das auch alle ziemlich toll. Ich durfte das im November letztes Jahr auch selber erleben. Zu einem Elternspielenachmittag, war ich etwas zu früh und hab dann kurzer Hand einfach ein Buch vorgelesen und meine Tochter samt all ihrer Freundinnen und Freunde haben sich um mich herum gesetzt und sehr interessiert zu gehört. Es war eine sehr schöne Erfahrung und hat mir einmal mehr gezeigt, mit wie wenig, man Kinder eigentlich glücklich machen kann und worauf es eigentlich ankommt.

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  2. briefabsender schreibt:

    Sicher, dass diese Tests nicht eher der Datenerhebung dienen, als den Kindern selbst? Vielleicht hängt da irgendeine Studie der Bundesregierung dran oder so? Um mal zu erheben, wie die Keinkinder so dem Standard entsprechen? Das würde zumindest erklären, warum die Förderung, die dann ja nur ein Alibi wäre damit die Eltern zustimmen, so minimal ausfällt. Zudem werden viele Menschen Geld damit verdienen. Mit dem Aufstellen der Standards, den Fortbildungen und Auswertungen und so weiter. Manchmal erhält sich dadurch ein Sytsem, dass eigentlich wenig Nutzen für denjenigen hat, der das „Testobjekt“ repräsentiert. An sich ist es gut, wenn Kinder gefördert werden, wenn sie selbst dies mögen. Allerdings reicht da sicherlich nicht eine Wochenendfortbildung und 10 Minuten vorlesen. Und solche Maßnahmen, die man im Allgemeinen auch einfach als altersgemäße Zuwendung bezeichnen könnte sollten einfach jedem Kind zugute kommen. Ich finds sehr gut, dass ihr das kritisch seht und die Dinge ab und zu hinterfragt. Man muss sie nicht boykottieren, aber man kann sie daraufhin so durchführen, dass sie dem Kind tatsächlich nutzen, und nicht nur der Datenerhebung und dem Geldbeutel anderer

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