1 November – Allerheiligen – Der Brief

Hallo Papa,

10 Jahre sind es schon her, seit wir das letzte Mal miteinander gesprochen haben, seit wir uns umarmt haben und uns in die Augen geschaut haben!

Und ist da jetzt was? Ich weiß noch, wie du immer sagtest du wärst nicht gläubig, würdest Dich aber ärgern, wenn da nichts mehr kommt. Schade, das du mir nicht antworten kannst, aber wenn da noch was ist, dann stell ich mir Dich mit einen breiten Grinsen vor, gemütlich sitzend an einer Bar, auf uns herabschauend. Ja kommt das dem Nahe?

Bist Du jetzt eigentlich sauer? Jetzt weißt Du ja bestimmt alles, unsere Geheimnisse, unsere Pläne, unsere Fehltritte. Aber bestimmt ist das für Dich jetzt unwichtig oder? Ich glaub es ist eine andere Gefühlswelt da oben.

Mama macht das super oder? Sie geht ihren weg. Ich glaub sie wartet, das sie endlich zu Dir kann. Das ist aber ok, ich kann sie verstehen. Sie ist eine liebevolle Oma und Mama. Sie ist die Beste, so wie Du. Sie hilft wo sie kann, auch wenn es schwer ist. Ich kann immer auf Sie zählen.

Papa? Ich weiß das Du nie Enkelkinder wolltest, oder lag es an der Vorstellung deine Tochter bekommt Kinder? Du wärst ein toller Opa. Er vermisst Dich, obwohl er Dich nie kennen gelernt hat. Er fragt immerzu nach Dir. Ich erzähl ihm dann von Dir, Oma erzählt auch viel. Vor ein paar Tagen hat er mir erzählt das er Angst hat. Er macht sich Gedanken das wenn er tot ist, du ihn nicht erkennst oder er dich nicht im Himmel, weil ihr euch nie kennengelernt habt. Wieso denkt ein fünfjähriger so was?

Arbeit! Danke das Du uns so vieles aufgebaut hast. Leider kann ich es aus eigener Kraft nicht so machen, wie du es machen würdest. Dazu ist zuviel passiert, was du nie wolltest. Ich weiß, tut mir leid, aber hey ich komm damit klar und irgendwie wird es weiter gehen. Außerdem ist das Wichtigste die Gesundheit und unsere kleine Familie!

Papa? Du fehlst uns so. Es tut immer noch so weh. Grade jetzt am 1 November! Weißt Du noch, Du und ich haben es nicht grade gemocht zur Oma zu fahren und dann auf dem Friedhof. Es gab immer das gleiche essen. Bratkartoffeln mit Sülze, das war aber das einzige gute an dem Tag oder? Dann noch auf dem Friedhof, es war kalt, ungemütlich, meist hat es geregnet. Du und ich und Mama wären immer am liebsten zu Hause geblieben.

Was wir heute gemacht haben? Ausgeschlafen, gespielt, an Dich gedacht! Die letzten Novemberjahre waren nicht grade toll hier, aber das weißt du ja bestimmt. Heute haben uns Freunde eingeladen und wir haben einen tollen ersten November verbracht. Viel gelacht, obwohl mir ein paar mal Tränen in die Augen geschossen sind.

Wir waren auf dem Friedhof, Du weißt, ich geh nicht gern dorthin, für mich bist du da nicht, du bist woanders in meinem Herzen, im „Himmel“ auf einer anderen Ebene der Existenz!

Du fehlst mir, du fehlst uns. Es tut immer noch weh. Pass auf uns auf, auf Mama, auf deinen Enkel

Wir lieben Dich!

Deine Tochter

 

 

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8 Gedanken zu “1 November – Allerheiligen – Der Brief

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