Helikoptern und wie wir damit von ganz alleine aufhören werden

Helikoptereltern! Dolles Wort. Neues Wort. Neuer Fachbegriff in Kindertagesstätten, Grundschulen, weiterführenden Schulen, Elternzeitschriften und das ganze Internet ist auch damit verseucht! Der Begriff tauchte zwar schon Anfang der 70er auf, aber hat anscheinend seine Hochkonjunktur erst jetzt erreicht!

Was sind Helikoptereltern? Eltern die überdurchschnittlich, überfürsorglich, im weitestgehend vieles für Ihre Kinder machen, erledigen, da sind (in dieser perversen überdrehten kalten Leistungsgesellschaft). Begleitet wird der Begriff von einer Latte von Schäden – geschrieben, geprägt und psycholosiert durch Winterhoff, Bergmann, Juul usw.

Da haben wir nun den Begriff, die beschriebene Missetat der Eltern und die ewig lange Latte von Schäden damit wir es so richtig schön versauen können. Fragt sich den keiner woher das kommt?

Gestatten: Mama, im Moment liebe 36 jung und im Besitz eines Helikopters der anscheinend mit einer Art Schrumpfstrahl verbunden ist (gewollt, ungewollt, natürlich) und ziemlich säuerlich über den Großtopf mit Namens Helikoptereltern, wo man reingeworfen wird!

Fakt ist wir leben in einer Welt die kaltschnäuzig und herzlos ist. Krieg, Terror, Mord und Totschlag begleitet von sonstigen Verbrechen, Krankheiten, Elend durchziehen die täglichen Nachrichten auf der Welt. Zudem wird Leistung, Erfolg so groß geschrieben, das man diesem Druck der Gesellschaft gar nicht standhalten kann.

In diese Welt haben wir, blauäugig, es gewagt Kinder zu bekommen. Wir haben eine kleine Welt aus Liebe, Geborgenheit und Glückseeligkeit entstehen lassen, in der Hoffnung (die niemals stirbt!!!) wir finden Funken davon in dieser unschönen Leistungsgesellschaft wieder. Klar haben wir Bruchstücke gefunden, manchmal sogar große davon, die noch glänzten, aber auch festgestellt das wir helfen müssen. Also erschufen wir unseren imaginären Helikopter um unsere Kinder in dieser Welt zu beschützen, ihnen zu helfen, ihnen und uns Leid zu ersparen, weil wir das Gefühl haben es macht sonst niemand!

Und dafür bekommen wir jetzt die Quittung, die Schuldzuweisung, das Gefühl es bedarf Therapie, nur weil wir unsere Kinder beschützen wollen, ihnen helfen wollen, werden wir alle in einen Topf geworfen, auch die wie wir, den goldenen Mittelweg nehmen!!

Unser Helikopter schrumpft immer mehr. Nach zwei Jahren des Seelenglücks nahm man uns schon 9,5 Stunden des Wochentages, wo wir nicht wirklich wissen, was unser Kind in der Kita treibt.  Das löst Angst aus! Und es ist natürlich das ein Großteil der Kleinkinder nicht auf Fragen wie „Wie war dein Tag, was haste gemacht?“ antwortet. Wenn diese dann noch sensible sind, vielleicht ängstlich, sich zurück gezogen zeigen, kommt das Gedankenkino in schwung!

Am Wochenende war Kindergeburtstag. Kurzer Einladungstext „Treffen im Wald“. Bums! Eine Einladung geschrieben von einer taffen lieben Mama mit drei Kindern, die bestimmt auf ihrer Art alles richtig macht und ihre Kinder genau so liebt. Kindergeburtstag ohne Mama Papa. Mein Kopfkino lief, die Tage davor war es am schlimmsten, die Angst lähmte mich. Klar wollt ich auch Samstag helikoptern, tat ich nicht! Schrumpfstrahl und so und nebenbei ist  das Badezimmer und der Flur jetzt im neuen Glanz.

Ich möchte nur sagen, das wir nicht alle Eltern, die zu den Rundflügen in ihrem imaginären Flugdings neigen, in einem Topf werfen sollten. Nicht nur das, die Gesellschaft sollte sich ein bisschen für die Angst der Eltern öffnen und ihnen helfen. Nicht durch Therapien, sondern liebevolle Kitas erschaffen, wo Geborgenheit großgeschrieben wird. Besser Grundschulen die nicht die Angst der Eltern schürt, das ihr Kind leidet, gemobbt oder sonstiges wird. Schließlich sind das die Kinder von morgen, die dieser perverse kalte Leistungsgesellschaft am Leben erhält, sie vielleicht zur einer besseren Gesellschaft macht.

Diese Kinder haben übrigens Eltern, die mal mehr und mal weniger helikoptern, die nur das Beste wollen, vielleicht auch eine bessere Welt erschaffen wollen!

Danke! Gestatten: Mama, im Moment liebe 36 jung und im Besitz eines Helikopters der anscheinend mit einer Art Schrumpfstrahl verbunden ist (gewollt, ungewollt, natürlich)

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5 Gedanken zu “Helikoptern und wie wir damit von ganz alleine aufhören werden

  1. unserlebenmitemily schreibt:

    also ganz ehrlich: mir sind überfürsorgliche Eltern tausend mal lieber, als alleine gelassenene oder vernachlässigte Kinder. Es gibt so viele Kinder, die auf der Strasse oder mit gewalttätigen Eltern aufwachsen müssen…..gibt es keine Probleme, werden welche künstlich erschaffen…man hätte ja sonst nichts zum lästern und reden 😉.

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  2. Mäusemamma schreibt:

    Toller Text und so wahr! Ich finde Deine Ausführungen zum Thema Helikopter- Eltern gut! Endlich mal eine andere Sicht auf ein Thema, bei dem die Eltern sonst immer belächelt oder als überfürsorglicj dargestellt werden. Klar gibt es auch Übertreibungen, aber man sollte, wie auch Du schreibst, die gesellschaftlichen Um-und Zustände mit betrachten. „Früher“ durften wir im Kita-Alter alleine im Wohngebiet rumtoben, bis abends die Laternen angingen- heute unmöglich! Viele Grüße und danke für den Beitrag! Teile ich gerne!

    Gefällt 1 Person

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