Älter werden – die Jahre vergehen

Sind wir Kinder wollen wir älter werden. Kleine Baby entwickeln sich in einem rasenden Tempo, Kleinkinder wollen uns täglich zeigen, wie groß sie sind und was sie können. Mit 18 Jahren lassen die meisten die Korken knallen und knapp 22 Jahre später wird es dann bei manchen kritisch, so geht es weiter. Manche kommen damit super zurecht, andere nicht.

Da ich ein sensibler Herzmensch bin und bestimmte Lebensumstände grad auf mich einprasseln und die Herbststimmung mich umringt, kommt es wie es kommen muss, meine Gedanken kreisen ums älter werden. Vielleicht sitzt auch in irgendeiner Ecke ein Männlein namens Altersangst. Wer weiss das schon, manchmal vernimmt man ein leichtes grummeln.

Vielleicht hab ich ein kleines Problemchen mit dem Älter werden und im Grunde auch nicht. Klar freue ich mich über die Tatsache das ich auf 16 Jahre des glücklichen Zusammenseins mit meinem Mann schauen kann, das wir seit 10 Jahren verheiratet sind und unser Kind gesund und glücklich heranwächst. Es ist schön auf die glücklichen Jahre zu schauen, aber da ist ja auch die andere Seite. Die Seite die mir zeigt, wie die Jahre vergehen!

Mir fallen Fotos von früher in die Hände. Fotos von mir und meinem Mann, die 15 Jahre oder älter sind und dann merkt man schon, das man sich verändert hat. Anscheinend bilden sich leichte Fältchen um die Augen und das ein oder andere Haar verblasst wohl mit den Jahren auch. Tausendmal fitter wirkt man auf vergangenen Fotos, wovon das heutige Spiegelbild nicht überzeugt ist. Man erkennt Aktivitäten auf Fotos, die man getrost heute knicken kann, weil man diese nicht mehr schaffen würde.

Jedes Jahr im Juni wird mir bewusst das mein geliebter Papa schon Jahre nicht mehr bei uns ist, nur noch in unseren Herzen. Seit 2006 sind die Jahre ins Land gezogen. Ob er auf uns schaut, ob es eine höher Existensebene gibt? Ich bin nicht sehr religiös, ich hab meine eigene Vorstellung. Aber es sind Jahre vergangen seit der letzten Umarmung, den letzten weisen Worten, das letze Lächeln. Der Schmerz ist nicht besser geworden, er wurde eher durchs vermissen ersetzt. Die Zeit heilt keine Wunden, sie verschließt und vernarbt sie nur.

Da ist unser Sohn, der nächstes Jahr, in die Grundschule kommt, er war doch noch eben das kleine Würmchen das unbeholfen in meinem Armen lag und mich mit großen Augen anblickte. Jetzt soll er schon ein Vorschulkind sein? Wo sind die 5 Jahre hin? Zerronnen wie Sand im Stundenglas. Unaufhaltbar. Aber es ist schön dieses Wunder in seiner Entwicklung zu sehen, begleiten zu dürfen. Auch wenn man daran erkennt, wie schnell die Zeit, die Jahre vergehen.

Die Uroma, die wir die letzten 10 Jahre intensiv begleitet haben. Eine lange Zeit und wie man jährlich den Abbau miterlebte, der immer schneller vonstatten ging. Man erlebte wie ein Mensch sich im Alter veränderte, vor allem wenn er alleine ist, wie die Demenz im Alter wie graue Haare sprießt und wie schnell sich das Blatt wendet und es dem Ende entgegen geht. Wie die Zeit im Begleitung des Schicksals zuschlägt!

Die Oma, die noch vor über  5 Jahren glücklich, fit und fidel ihr Enkelkind im Arm im Kreißsaal hielt, darauf das Jahr fast täglich am Familienalltag teilnahm und das zweite Enkellebensjahr sich rührend, mit voller Kraft um ihn kümmerte. Auch hier sind die Jahre ins Land gezogen. Heute reichen 24 Stunden um ihre Kräfte in die Schranken zu weisen, eine Übernachtung scheint unersetzlich kräftezehrend zu sein. Ruhe und Geborgenheit mit einem Hauch von Gelassenheit des Lebens, scheinen hier auf der Tagesordnung nunmehr zu stehen.

Wir werden alle  älter und sollten dieses akzeptieren, uns freuen über jeden Tag, über jedes Jahr. Leben, auch wenn sich dieses verändert, auch wenn es uns Leben nimmt. Die Zeit lässt sich nicht aufhalten, sie zerrinnt unaufhaltbar. Die Jahre vergehen. Machen wir das Beste draus!

 

 

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